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S P E Z I A L
Noch immer: Faule Nutzer schaffen Standards...
Background: Das Computermagazin c´t hat in einer der letzten Ausgaben die aktuellen Versionen unterschiedlichster Browser (Internet Explorer, Netscape, Opera etc.) auf den unterschiedlichsten Plattformen (Linux, MacOS, Windows) genauer unter die Lupe genommen.
MS Internet Explorer: ... unterstützt wie immer hauptsächlich MS-eigenen Standards.
Der c´t-Test des Microsoft Internet Explorer 6 hat ein skandalöses - dennoch wenig überraschendes - Ergebnis: Suns Java 2 wird nämlich nicht unterstützt. Was der DerStandard.at attraktiv unter der Headline "Internet Explorer 6 für Online Shopping unbrauchbar" publiziert, berichtet vom Fehlen eines Features, das einen weit umfangreicheren Zweck hat, als bloss Online-Shopping-Anwendungen im WWW.
Mit Fehlen dieser Unterstützung müssen MS IE Benutzer auf alle möglichen Dienste verzichten. Das können Online-Shops sein, Telebanking-Angebote ihrer Banken, Spiele, Chats, NewsTicker oder andere mehr oder weniger interessante oder brauchbare Web-Anwendungen wie Broker-, Trading-Software und so weiter.
Damit führt Microsoft seine Taktik offenbar fort, nämlich das Ausnutzen der Verbreitung seiner (Internet-) Software und seine Marktführung auf dem Gebiet zum Verdrängen nützlicher - "unabhängiger" - Standards und die Etablierung / Diktatur der eigenen. Das Debakel zu Beginn der MS IE-Ära ist uns hoffentlich noch gut in Erinnerung: Microsoft wurde gerichtlich dazu verurteilt, Sun´s JavaScript nachträglich standardgemäss zu implementieren. Anfangs hatte der Explorer lediglich eine MS-eigene Abwandlung des damals schon etablierten JavaScript unterstütz.
Die Gefahr dieses Agierens in Zeiten zunehmender Abhängigkeit (der Wirtschaft und Konsumenten) von digitalen Infrastrukturen und dem Internet liegt auf der Hand: Man legt die "Entwicklung" von (Kommunikations-) Standards in die Hände eines Software-Konzerns, der selbstverständlich in erster Linie seine Unternehmensziele verfolgt: Gewinn, Gewinn, Gewinn. Damit gibt man dem Konzern meiner Manung nach auf lange Sicht die Möglichkeit, nicht nur wirtschaftlich den Markt zu beherrschen (worst case: Monopol) sondern letztendlich auch politische Macht ausübenzukönnen (siehe: Deutscher Bundestag, der MS-Produkte aus seiner Administration "verbannen" will; siehe andererseits: wie MS nach Kooperation mit Regierungen trachtet). Man könnte sogar soweit gehen und MS ein wenig mit Scientology vergleichen: deren Vertreter wollen ebenfalls über die Wege der Wirtschaft politisch etwas zu sagen haben. Aber das ist sicherlich ein etwas drastisches und mehr als spekulatives Bild, das man von Microsoft haben kann - drängt sich aber auf.
Microsoft-Gegner tun sich leicht damit, die Verantwortung ganz auf den Software-Giganten zu schieben, der sich eines unlauteren Wettbewerbes bedient, dadurch seine Software verbreitet und letztendlich Standards einführt / etabliert. Ich denke, WindowsNormal-Benutzer haben zumindest eine Teilschuld, nämlich insofern, da sie sich der freien Entscheidung - und somit meiner Meinung nach der Verantwortung der "NetzGemeinde" gegnüber - entziehen und blind, quasi aus Faulheit, Vor- und Mitinstalliertes verwenden. Eben ohne diese Software vorher oder nacher oder zu irgendeinem Zeitpunkt mit Alternativ-Produkten zu vergleichen. Neben-Resultate sind massive Viren-Attacken vom MS Internet Information Server, von Outlook und Co., denn damit trifft man eine attraktive Mehrheit der Computer- / Internet-Nutzer. Weiters wird diese Faulheit und dieses offenbar uneingeschränkte Vertrauen der Endverbraucher in Microsoft-Produkte darin resultieren, dass nützliche Standards verdrängt und Angebote an der Unterstützung des Internet Explorer orientiert werden. Denn letztendlich hat sich noch alles und jeder Microsoft gebeugt (ganz zu schweigen von der US-Regierung unter Bush).
Ich als nunmehr langjähriger Internet-Benutzer (der noch die Zeiten gesehen hat, in denen Netscape viel weiter verbreitet war als der grosse Rivale) finde diese Entwicklung - im eigenen Interesse ;-) - schade. Ich lasse mich nur ungern einschränken in der Nutzung meines Computers und des freien Internet. Ich lasse mich nur ungern "tracken" und "profilen" und würde mir im Interesse aller etwas mehr Mündigkeit von Seiten der Internet-Mit-Benutzer wünschen, damit uns keine Abhängigkeit von nur einem Unternehmen droht, das in Zukunft vielleicht über NetzZugänge bestimmt und damit den Informations-Fluss (zwischen Individuen, Unternehmen und Staaten) beeinflussen oder gar kontrollieren kann.
Übrigens... zum Thema Standards: Auch die üblichen Netscape-PlugIns werden nicht mehr unterstützt, weshalb man alle nötigen nochmals runterladen kann - sofern schon vorhanden.
Artikel:
[1] DerStandard.at
[1] Internet Explorer 6 für Online Shopping unbrauchbar
[2] c´t
[1] c´t - magazin für computertechnik
[3] c´t: Browser-Downloads
[1] Liste aktueller Browser
[4] Mozilla
[1] Stand-Alone OpenSource-Browser (Basis f. Netscape 6.1)
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