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Chronik eines Polizeieinsatzes

Vorgeschichte: Jemand veröffentlicht den später bereinigten Bericht der (österr.) Wirtschaftspolizei zur "Spitzelaffäre" bei GeoCities (Yahoo!) in den USA.

Es folgt: eine "anonyme Anzeige" und (laut Bericht) eine Hausdurchsuchung, wie man sie aus unzähligen Krimi-Serien kennt:

[ Auszug; Quelle: Quintessenz ]
ORIGINAL: archiv.quintessenz.at/archiv/msg01520.html

Routinemäßig geht das so: Zwei Autos in zivil umkreisen "unauffällig" das Haus. Einer davon fährt spontan auf Dein Haustor zu und blockiert die Einfahrt. Vier Mann springen aus dem Fahrzeug stürmen das Haustor und begehren mit fuchtelnden Marken Einlaß.

Plötzlich mit drei Wachhunden konfrontiert, drängen sie, bis auf einen Tapferen, wieder hinaus und verlangen die sichere Verwahrung der Hunde. Inzwischen ist auch der zweite Wagen vor der Nachbarseinfahrt zum Stillstand gekommen und blockiert absichtlich (rdum viel Parkplatz) das offene Tor. Bepackt mit Laptop, Drucker und etlichen Taschen voller Utilities, drängen sie in die Räumlichkeiten und verteilen sich strategisch. (Man kennt sowas ja aus TV-Filmen) Einer schwingt sich nun zum Wortführer auf und behauptet er hätte einen Haussuchungsbefehl auf Grund einer anonymen Anzeige. Bedrohliche Gesichter rundum verheißen nichts Gutes. Fragen sind nicht zulässig, nur präzise Antworten erwünscht.

Wo sind ihre EDV - Geräte?

Welches von diesen hängt im Internet? Sie werden beschuldigt, unerlaubt geheime Dokumente übers Internet zu verbreiten! Wir haben einen EDV-Spezialisten mitgebracht, der sich ihre Systeme näher ansehen wird. Sie lassen niemand ran? Ok, ich hole mir Weisungen vom U-Richter (telefoniert). Gut, schön, wir werden hier aufräumen. Letzte Chance! Steigen sie mit der erforderlichen Berechtigung ein und entfernen sie sich von den Geräten! Andernfalls packen wir hier alles ein und nehmen alles mit. Auch sie.

Im sicheren Bewußtsein, es könne alles nur ein Mißverständnis sein, das ich an Ort und Stelle aufklären ließe, stieg ich als Root ein und ließ den EDV-Profi an die Konsole. Dieser suchte sich ein Stündchen durchs System und fertigte dann diverse Dateien an, welche abschließend auf eine Diskette kopiert wurden.

Auf weitere Untersuchungen ließ man sich vorläufig nicht ein, da es sich um nicht geläufige Systeme handelte (DGUX,MotXSV,AIX,ATX,Linux,Novell,NT) und eine Durchsuchung nur mit meiner Unterstützung möglich gewesen wäre.

Allerdings bestand die Gefahr der Verschleierung und so durfte ich nicht ran. Nach getaner Arbeit wurde ich aufgefordert, sogleich "freiwillig" zu einer Niederschrift mitzukommen, andernfalls .... Fürs Erste war ich einmal froh, diese Leute aus meinen Räumlichkeiten rauszubringen und willigte ein, gleich mitzukommen. Es wurde eine Niederschrift im "HQ" angefertigt, aus der eigentlich nur eine penible Auflistung meiner Geschäfte, Geräte, Firmenverbindungen hervorging.

Zeitgleich wurde von einer "Task Force" mein Sohn bei einem Kunden aufgesucht und befragt und via Telefon wurden die Aussagen abgestimmt. Das zweite Büro wurde von zwei weiteren Beamten aufgesucht und für die Zentrale eine Durchsuchung angekündigt, wenn nicht kooperiert werden sollte. Letztendlich sah man sich außerstande auf mich einzuwirken in dem Sinne, daß ich eine Homepage auf einem Server in Kalifornien sofort vom Netz nehme. Schließlich gab man gegen 19.30 auf und entließ mich wieder in die Freiheit. Auf verlangen wurde mir 2 Tage darauf mitgeteilt, daß keine Anzeige gegen mich erfolgte und ich die Sache vergessen könne. Auch gäbe es keinen Vermerk dieser Angelegenheit im EKIS, wodurch sich eine Löschung etwaiger Daten erübrige.

Das ist eine authentische Beschreibung eines Einsatzes der WIPO/KriPO Gemeinschaftsarbeit vor drei Wochen. .... Es müssen auf der Stelle Entscheidungen getroffen werden, ohne ihre Konsequenzen exakt abschätzen zu können. Alles in einer betont bedrohlich gestalteten Situation, um möglichst widerstandsfrei alles zu bekommen, was man sich wünscht. Es gibt für die Beamten keinen schöneren Einsatz, als jemanden allein anzutreffen. Da haben sie IMMER recht. Und "man" weiß das...


Artikel:

[1] q/depesche (quintessenz)
[1] AT: Spitzelaffaere, Protokoll einer Durchsuchung

[2] q/depesche (quintessenz)
[1] AT: Spitzelaffaere im Netz - Zwischenstand

[3] @ GeoCities
[1] Akt der österr. Wirtschaftspolizei zur "Spitzelaffäre"



Kommentar / Fragen: gregor@vindobona.com